150 Jahre TUM – Geschichten zum Jubiläum 2018
Motor für die Welt
Diesels Ziel: Den Brennstoff besser nutzen
Als der Schüler Rudolf Diesel im Physikunterricht ein Kompressionsfeuerzeug in die Hände bekommt, ist er begeistert: Es sieht aus wie eine kleine Fahrradpumpe, doch wenn man den Kolben kräftig hineindrückt, entsteht eine Flamme. Den jungen Diesel fasziniert diese Technik: Nur durch die Verdichtung erhitzt sich die Luft im Innern – so stark, dass sich ein Stück Zunder im Boden des Zylinders entzündet. Dieses Prinzip verwendet Diesel Jahrzehnte später, als er einen Motor konstruiert, den alle Welt heute unter seinem Namen kennt.
Einige Jahre nach dem Erlebnis mit dem Feuerzeug, erfährt Rudolf Diesel, der jetzt Maschinenbau studiert, etwas Erstaunliches: In einer Vorlesung an der Technischen Hochschule in München erklärt ihm sein Professor Carl von Linde, dass die bis dahin weit verbreitete Dampfmaschine nur einen sehr kleinen Teil der eingesetzten Energie ausnutzt. Der Gedanke, einen effizienteren Antrieb zu konstruieren, lässt Diesel von da an nicht mehr los.
Nach Jahren des Tüftelns und einigen Rückschlägen wird Rudolf Diesels Vision schließlich verwirklicht: Die Maschinenfabrik Augsburg baut ab 1893 einen Prototypen seines Motors. Bereits wenige Jahre später wird der Dieselmotor auch in den USA und der Schweiz eingesetzt. Und noch heute treibt der „Diesel“ unsere Welt an, obwohl er im Straßenverkehr wegen seiner Abgase stark umstritten ist. Es gibt ihn in allen erdenklichen Größen – vom tragbaren Stromaggregat mit drei Kilowatt bis zum haushohen Schiffsmotor mit mehreren 10.000 PS.
Vom Feuerzeug zum effizienten Antrieb
Eine wichtige Eigenschaft von Diesels Motor ist die Selbstzündung, wie schon beim Kompressionsfeuerzeug aus seiner Schulzeit: Luft wird im Brennraum des Motors stark komprimiert und erhitzt sich dadurch. Danach wird Kraftstoff eingespritzt, der sich sofort ohne weitere Hilfsmittel entzündet. Zwar bauen auch andere Erfinder Motoren mit Selbstzündung, doch Diesels Erfindung setzt sich letztlich durch.
Bereits sein erster Motor ist doppelt so leistungsfähig wie die Dampfmaschine. In langen Versuchsreihen wird der Prototyp immer weiter verbessert und schließlich gründet Diesel seine eigene Motorenfabrik in Augsburg, die den Dieselmotor in Serie produziert.
Kein Glück mit dem Motor
Rudolf Diesel ist ein besonders begabter Schüler und Student. 1880 beendet er sein Studium mit dem bis dahin besten Examen der Hochschule und beginnt, in der Pariser Eismaschinenfabrik seines Mentors Carl Linde zu arbeiten. Dort steigt er kurz darauf vom Lehrling direkt zum Fabrikdirektor auf. Den Erfolg seines Motors kann Rudolf Diesel später jedoch nie lange genießen. Seine Gesundheit leidet unter der vielen Arbeit und den zahlreichen Patentstreitigkeiten mit anderen Erfindern.
Über 200 Patente soll Diesel angemeldet haben, die Eintragungen kosteten ihn ein Vermögen und enorm viel Zeit. Schon 1911 löst er seine Augsburger Dieselmotorenfabrik wieder auf, dazu kommen Pech mit Grundstücksspekulationen und falsche Freunde. 1913 kommt er unter ungeklärten Umständen ums Leben.
Welche Zukunft hat der Diesel?
Um die Menge an Stickoxiden und Feinstaub in den Diesel-Abgasen zu verringern, wird auch an der TUM weiter an dem Motor geforscht – denn wegen diesen gesundheitsgefährdenden Stoffen ist der Diesel im immer dichter werdenden Stadtverkehr stark umstritten. Neben Filtersystemen, Katalysatoren und neuen Kraftstoffen für den Diesel arbeiten die Ingenieurinnen und Ingenieure der TUM aber auch an ganz anderen Antriebsarten. So entstehen zum Beispiel 2011 und 2014 in fachübergreifender Zusammenarbeit die Prototypen MUTE und Visio.M, zwei effiziente Stadtfahrzeuge mit Elektroantrieb.
Weil der Dieselmotor aber seit seiner Erfindung immer weiter entwickelt wurde, hat er noch heute einen vergleichsweise hohen Wirkungsgrad und stößt relativ wenig CO₂ aus. Deshalb bleibt er wohl weiter wichtig – zum Beispiel in der Industrie, für Schiffe, Traktoren oder mit dem Elektromotor als Hybridantrieb im Straßenverkehr.
„Seht nur, wie weit, groß, schön die Technik vor uns liegt!“
Rudolf Diesel 1881 zu Maschinenbaustudenten, ein Jahr nach seinem Abschluss an der Technischen Hochschule München
Disclaimer
Diese Geschichte erschien 2018 zum 150-jährigen Jubiläum der TUM auf einer inzwischen deaktivierten Jubiläumswebsite.
Text: Team Web Communications der TUM; Grafiken: KW NEUN
Literatur zur Geschichte der TUM
- Wolfgang A. Herrmann (Hrsg.), Martin Pabst/Margot Fuchs (Verf.), Technische Universität München - Geschichte eines Wissenschaftsunternehmens, 2 Bd., Berlin 2006.
Link zum Online-Katalog der Universitätsbibliothek - Wolfgang A. Herrmann, Winfried Nerdinger (Hrsg.), Die Technische Hochschule München im Nationalsozialismus, München 2018.
Link zum kostenlosen Download über mediaTUM (PDF, 79 MB)
Link zur Bestellung des Buches
Link zu Exemplaren in der Universitätsbibliothek - Irene Meissner, Bauten+Kunst. Technische Universität München 1868-2018, München 2018. Link zum Online-Katalog der Universitätsbibliothek
- Martin Pabst, Alumni der TUM. Prägende Gestalter aus der Technischen Universität München, München 2018. Link zum Online-Katalog der Universitätsbibliothek
- Martin Pabst, Köpfe der TUM. Geniale Entdecker und Erfinder aus der Technischen Universität München, München 2018. Link zum Online-Katalog der Universitätsbibliothek
- Brigitte Röthlein, Pioniere gestalten die Welt der Technik. 150 Jahre Forschung an der Technischen Universität München, München 2018. Link zum Online-Katalog der Universitätsbibliothek
Weitere Bücher und Informationen zur Geschichte der TUM
Dank
Wir danken allen, die uns beim Schreiben der Texte und bei den Visualisierungen unterstützt haben. Insbesondere den Autorinnen und Autoren der genannten Bücher, den Expertinnen und Experten an den Lehrstühlen, den Professoren und Professorinnen, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den Pressereferentinnen und -referenten des Corporate Communications Centers der TUM. Dank gilt auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Architekturmuseums, des TUM Klinikums Deutsches Herzzentrum, des TUM Klinikums rechts der Isar, der European Space Agency (ESA) und allen anderen, die uns fachlich beraten und Bildmaterial zur Verfügung gestellt haben.
Die Jubiläumsgeschichten verfasste das Team Web Communications der TUM. Die Umsetzung der grafischen Inhalte übernahm die KW NEUN – Designagentur.