150 Jahre TUM – Geschichten zum Jubiläum 2018
Rechenmonster
Wie München zum IT-Hotspot wird
Es ist eine Pionierleistung in der Computertechnik: Nur wenige Jahre nach Erfindung der elektronischen Rechenmaschine stellt Hans Piloty 1956 den ersten Großrechner an der TUM fertig. Fünf Jahre lang baut der Professor zuvor mit einem Team aus Mathematik und Nachrichtentechnik an der Maschine. Die Konstruktion gelingt, obwohl sich Deutschland noch im Wiederaufbau befindet und Bauteile wie Röhren oder Dioden schwer zu beschaffen sind.
Die „PERM“ (Programmgesteuerte Elektronische Rechenanlage München) ist für einige Wochen sogar die schnellste Rechenanlage der Welt. Sie berechnet Überschallströmungen um Flugkörper und viele weitere wissenschaftliche Probleme. Und zugleich sammeln an ihr zahlreiche Studierende und Forschungsteams Erfahrungen in den aufkommenden Computerwissenschaften.
Auch weil so viele solcher Fachleute in München ihr Handwerk lernen, entwickelt sich die Stadt im Lauf der Jahre zu einem wichtigen IT-Standort. Und aus dem Großrechner entsteht letztlich das Leibniz-Rechenzentrum, das noch heute einen der leistungsstärksten Computer der Welt betreibt.
Spitzname „Rechenmonster“
Hans Pilotys Großrechner heißt „PERM“ – Programmgesteuerte Elektronische Rechenanlage München. Die Studierenden interpretieren das Kürzel aber etwas anders. Sie nennen die PERM scherzhaft „Pilotys erstes Rechenmonster“, wegen ihrer Größe und des komplexen Aufbaus.
Pflegebedürftig ist das Monster obendrein: Teilweise muss die PERM rund um die Uhr überwacht und bei Bedienungsfehlern wochenlang repariert werden – zum Beispiel wenn die Belüftung versehentlich nicht eingeschaltet wird.
1956: Die Rechenmaschine
18 Jahre lang, bis 1974, ist die PERM an der TUM in Betrieb. Die Anlage wiegt mehrere Tonnen und enthält tausende elektronische Bauteile – alles nach dem damals neuesten Stand der Technik. Sie dient als wissenschaftliche Rechenmaschine und Ausbildungscomputer für Generationen von Studierenden, mit ihr wird die neue Computersprache ALGOL entwickelt. Seit 1988 steht der Großrechner aus der Computer-Frühzeit im Deutschen Museum in München.
2018: Der Supercomputer
Mit modernsten Hochleistungsrechnern arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der TUM auch heute. So unterstützt das Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) sie etwa bei der ersten detaillierten Simulation des Sumatra-Erdbebens, das den Tsunami 2004 auslöste. 2018 bekommt das LRZ einen neuen Supercomputer: Der „SuperMUC-NG“ rechnet mit einer Spitzenleistung von knapp 27 Petaflops – also etwa viermal so schnell wie sein Vorgänger. Unter den heute schnellsten Rechnern der Welt steht er damit auf Platz drei.
„Lassen wir zum Schluss die Phantasie ein wenig schweifen und die Frage ins Auge fassen, zu Leistungen welcher Art ein elektronischer Automat … gebracht werden kann, wenn man die Möglichkeiten der heutigen Technik besser ausnutzt, ohne Rücksicht auf einen besonderen Zweck. Ein solcher Automat würde zusätzlich etwa noch folgendes können: ‚Wahrnehmen‘, … ‚Handeln‘, … ‚Lernen‘.“
Hans Piloty, Professor für elektrische Messtechnik, 1955
Disclaimer
Diese Geschichte erschien 2018 zum 150-jährigen Jubiläum der TUM auf einer inzwischen deaktivierten Jubiläumswebsite.
Text: Team Web Communications der TUM; Grafiken: KW NEUN
Literatur zur Geschichte der TUM
- Wolfgang A. Herrmann (Hrsg.), Martin Pabst/Margot Fuchs (Verf.), Technische Universität München - Geschichte eines Wissenschaftsunternehmens, 2 Bd., Berlin 2006.
Link zum Online-Katalog der Universitätsbibliothek - Wolfgang A. Herrmann, Winfried Nerdinger (Hrsg.), Die Technische Hochschule München im Nationalsozialismus, München 2018.
Link zum kostenlosen Download über mediaTUM (PDF, 79 MB)
Link zur Bestellung des Buches
Link zu Exemplaren in der Universitätsbibliothek - Irene Meissner, Bauten+Kunst. Technische Universität München 1868-2018, München 2018. Link zum Online-Katalog der Universitätsbibliothek
- Martin Pabst, Alumni der TUM. Prägende Gestalter aus der Technischen Universität München, München 2018. Link zum Online-Katalog der Universitätsbibliothek
- Martin Pabst, Köpfe der TUM. Geniale Entdecker und Erfinder aus der Technischen Universität München, München 2018. Link zum Online-Katalog der Universitätsbibliothek
- Brigitte Röthlein, Pioniere gestalten die Welt der Technik. 150 Jahre Forschung an der Technischen Universität München, München 2018. Link zum Online-Katalog der Universitätsbibliothek
Weitere Bücher und Informationen zur Geschichte der TUM
Dank
Wir danken allen, die uns beim Schreiben der Texte und bei den Visualisierungen unterstützt haben. Insbesondere den Autorinnen und Autoren der genannten Bücher, den Expertinnen und Experten an den Lehrstühlen, den Professoren und Professorinnen, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den Pressereferentinnen und -referenten des Corporate Communications Centers der TUM. Dank gilt auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Architekturmuseums, des TUM Klinikums Deutsches Herzzentrum, des TUM Klinikums rechts der Isar, der European Space Agency (ESA) und allen anderen, die uns fachlich beraten und Bildmaterial zur Verfügung gestellt haben.
Die Jubiläumsgeschichten verfasste das Team Web Communications der TUM. Die Umsetzung der grafischen Inhalte übernahm die KW NEUN – Designagentur.