150 Jahre TUM – Geschichten zum Jubiläum 2018
Polytechnische Schule zu München
Aufbruch ins Zeitalter der Technik
Heizungen mit Luftfeuchteregelung, batteriebetriebene Klingelanlagen, Speiseaufzüge um den Traum vom „Tischlein deck dich“ zu erfüllen: Die Schlösser von Ludwig II. stecken im 19. Jahrhundert voller phantasievoller, fortschrittlicher Technik. Der bayerische König ist gegenüber modernen Technologien sehr aufgeschlossen. Als er 1867 zur Pariser Weltausstellung reist, interessiert er sich dort mehr für technische Errungenschaften als für heiratswillige Prinzessinnen, glaubt man den Berichten der Zeit.
Ein Jahr später, 1868, gründet Ludwig die Polytechnische Schule München – die Vorgängerin der späteren TUM. Sie soll Industrie und Wirtschaft den „zündenden Funken der Wissenschaft“ bringen – und dem Königreich unter anderem qualifiziertes Personal für den Eisenbahnbau. Die neue Schule trägt dazu bei, dass sich Bayern zu einem Zentrum für Hochtechnologie entwickelt. Aus den kleinen Anfängen der Polytechnischen Schule wird in 150 Jahren eine Universität von Weltrang.
Dank Ludwigs Vater ist die Gründung möglich
König Ludwig II. gründet die spätere TUM und nimmt beim Bau des neuen Gebäudes sogar Einfluss auf die Gestaltung der Fassade. Noch heute ziert sein Porträt die Amtskette des Universitäts-Präsidenten. Doch die Gründung geht eigentlich schon auf Ludwigs Vater zurück: Maximilian II. bekennt sogar, dass er statt König lieber Professor an einer Technischen Hochschule geworden wäre.
Er regt eine Reform des technischen Bildungssystems an. Nur dadurch kann später die Vorgängerin der TUM gegründet werden.
Schlösserbau mit Professoren
Beim Bau seiner Märchenschlösser holt sich Ludwig professionellen Rat: Fachleute seiner neugegründeten Hochschule beraten ihn in technischen Fragen – der Physikprofessor Wilhelm von Beetz etwa bei der elektrischen Beleuchtung der Venusgrotte in Schloss Linderhof.
Beetz tüftelt auch an speziell beschichteten Glasscheiben, die das vom König so geliebte „Capri-Blau“ nachahmen sollten.
Von der regionalen Hochschule zur internationalen Universität
Zwar ist Ludwig interessiert an neuester Technik – doch spendabel ist der König nur in den Bereichen Kunst und Bauwesen. Mit der großzügigen Wissenschaftsförderung seines Vaters Max ist es unter Ludwigs Regentschaft vorbei. In der Wissenschaftspolitik denkt der neue König sehr regional: Bei der Besetzung von Lehrstühlen sollten bayerische Bewerber bevorzugt werden.
Das hat sich massiv gewandelt: Heute wirbt die TUM gezielt um hervorragende Studierende, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der ganzen Welt. Sie betreibt Forschungsstandorte und Vertretungen auf vier Kontinenten.
Disclaimer
Diese Geschichte erschien 2018 zum 150-jährigen Jubiläum der TUM auf einer inzwischen deaktivierten Jubiläumswebsite.
Text: Team Web Communications der TUM; Grafiken: KW NEUN
Literatur zur Geschichte der TUM
- Wolfgang A. Herrmann (Hrsg.), Martin Pabst/Margot Fuchs (Verf.), Technische Universität München - Geschichte eines Wissenschaftsunternehmens, 2 Bd., Berlin 2006.
Link zum Online-Katalog der Universitätsbibliothek - Wolfgang A. Herrmann, Winfried Nerdinger (Hrsg.), Die Technische Hochschule München im Nationalsozialismus, München 2018.
Link zum kostenlosen Download über mediaTUM (PDF, 79 MB)
Link zur Bestellung des Buches
Link zu Exemplaren in der Universitätsbibliothek - Irene Meissner, Bauten+Kunst. Technische Universität München 1868-2018, München 2018. Link zum Online-Katalog der Universitätsbibliothek
- Martin Pabst, Alumni der TUM. Prägende Gestalter aus der Technischen Universität München, München 2018. Link zum Online-Katalog der Universitätsbibliothek
- Martin Pabst, Köpfe der TUM. Geniale Entdecker und Erfinder aus der Technischen Universität München, München 2018. Link zum Online-Katalog der Universitätsbibliothek
- Brigitte Röthlein, Pioniere gestalten die Welt der Technik. 150 Jahre Forschung an der Technischen Universität München, München 2018. Link zum Online-Katalog der Universitätsbibliothek
Weitere Bücher und Informationen zur Geschichte der TUM
Dank
Wir danken allen, die uns beim Schreiben der Texte und bei den Visualisierungen unterstützt haben. Insbesondere den Autorinnen und Autoren der genannten Bücher, den Expertinnen und Experten an den Lehrstühlen, den Professoren und Professorinnen, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den Pressereferentinnen und -referenten des Corporate Communications Centers der TUM. Dank gilt auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Architekturmuseums, des TUM Klinikums Deutsches Herzzentrum, des TUM Klinikums rechts der Isar, der European Space Agency (ESA) und allen anderen, die uns fachlich beraten und Bildmaterial zur Verfügung gestellt haben.
Die Jubiläumsgeschichten verfasste das Team Web Communications der TUM. Die Umsetzung der grafischen Inhalte übernahm die KW NEUN – Designagentur.